Walter Dahn ( 1954 – 2024)
Die gemeinsame Zeit :1971-1982,
aus St. Tönis zum Studium zu Beuys in Düsseldorf bis zur „Mülheimer Freiheit“ nach Köln.
November 2024, Walter Dahn ist gestorben. Die Nachricht kam via Email von der Galerie Sprüth-Magers.
Noch vor wenigen Tagen, am Eröffnungstag der Art Cologne, besuchte er dort Michael Haas, der ihn und die „Mülheimer Freiheit“ auf der Messe zeigte.
Seine „35 kleinen Zeichnungen“ hatte ich Michael Haas mit auf die Messe gegeben.
Diese Gruppe kleiner Zeichnungen aus dem Jahr 1975 zeigen den Reichtum Dahn´scher Bilderfindungskraft, die er dann als Mitglied der von Paul Maenz
präsentierten Boygroup „Mülheimer Freiheit“ ab 1979 als malerisches Feuerwerk zündete.
Paul Maenz und Gerd deVries haben wir in dieser Zeit häufig zusammen besucht. Sie haben Walter maßgeblich gefördert.
Von 1973 bis 1975 wohnten Walter und ich zusammen mit der kleinen Familie von Markus Oehlen sowie dem Musiker Wolfgang Erens in Krefeld.
1975 wurde Walter Dahn Meisterschüler von Joseph Beuys.
Im gleichen Jahr gründete ich den Tornado-Verlag und publizierte sein „A MAGIC CARPET RIDE“.
Im laufe dieses Jahres zog er nach Köln.
1976 zeigte ich in Konrad-Fischers-Raum Dahn`s erste Einzelausstellung „The 48 Polaroid Show“.
Eine wichtige Förderin in der frühen Kölner Zeit wurde Ingrid Oppenheim. Sie unterstützte ihn in seinen musikalisch-performativen künstlerischen Experimenten.
1977 kuratierte ich in der Galerie Magers, Bonn die zweite Ausstellung. Hier zeigte ich seine zu großformatigen Bildern montierten DINA4 großen Goldzeichnungen.
Ende 1977 eröffnete ich meine Galerie im ehemaligen Konrad Fischers Raum in der Neubrückstraße in der Düsseldorfer Altstadt.
Von da an widmete ich mich der Neuentdeckung junger Künstler vorrangig aus den Talentschmieden der Akademieklassen von Beuys, Richter und Schwegler.
Der enge Kontakt zu Walter Dahn versandete mehr und mehr.
Die Beuys´sche Kunstvorstellung blieb für Walter entscheidend bis zu seinem Lebensende.
Neben Beuys hatte das Werk von Bernd Minnich, Lothar Baumgarten und Sigmar Polke entscheidenden Einfluß.
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Edgar Kohnen
Walter Dahn – ein Nachruf
(geschrieben für den „St. Töniser Heimatbrief)
Walter Dahn wird unter den Persönlichkeiten der Stadt Tönisvorst gelistet. Er starb unerwartet am 7. November 2024.
Walter war ein Besessener. Schon als Jugendlicher sah man ihn nicht ohne Bleistift, er rannte dem Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld die Türen ein, es war die Zeit des legendären Paul Wember, der den Größen der Moderne eine Bühne bot. Unter ihm wurde Krefeld zu einer Metropole zeitgenössischer Kunst. Walter war fasziniert, mit 17 Jahren verließ er das Gymnasium in Kempen, nichts konnte ihn halten. Joseph Beuys galt seine Bewunderung, so bewarb er sich für seine Klasse. Beuys war da schon nicht mehr ordentlicher Professor, er lag im Streit mit dem Bildungsminister „Bruder Johannes“, (Johannes Rau, nachmaliger Ministerpräsident sowie Bundespräsident der BRD). Beuys setzte sich 1971 über rigide Studienaufnahmebedingungen hinweg, besetzte mit Studierenden das Rektorat und schrieb jeden als Studierenden ein, der bei ihm studieren wollte. Einengende Bedingungen sind der Tod jeder Kreativität. Es ging darum die Studierenden von konventionellen Rahmenbedingungen zu befreien, der Studierende solle sich selbst erweisen, nur so war nach Beuys Ansicht künstlerische Entwicklung möglich. Jeder sollte die Chance erhalten, herauszufinden was für eine Art Künstler in einem steckt.
Walter war ein Suchender, er akzeptierte keine Konventionen. Er hatte den Blues, nicht nur den Weltschmerz, auch die Seele der Musik. Ich erinnere mich an ein von Walter gemaltes Bild von Johnny Winter im Partykeller eines gemeinsamen Jugendfreundes. Aber auch den Rock´n Roll, er begehrte auf. Rock´n Roll war Freiheit. Sein künstlerischer Ausdruck blieb nicht auf den Zeichenstift beschränkt. Der Pinsel kam hinzu, die Fotografie und vor allem immer wieder die Musik, doch schrieb er keine Noten. Die Luftgitarre war schon früh sein Instrument, doch das Musikschaffen mit anderen in gemeinsamer Interaktion, wobei auch die Stimme, die gesummte Melodie, Basis seines instrumentalen Schaffens war. Es kam der Punk. „Punk is the Sound of my Soul“ wurde unter anderem ein Werk von Walter. Es kam gemeinsam mit anderen die „Mühlheimer Freiheit“, eine Kölner Künstlergruppe. Sie galten als die „Neuen Wilden“. Den Künstlern ging es, wie einer von ihnen sagte, „um mich selbst“, was auch immer darunter zu verstehen war.
Ihre Kunst eine Art Befreiung der Malerei, „heftige Malerei“ kein leiser, feiner Strich, es waren grob hingeworfene Pinselstriche und Spachtel. Ich selbst mag den Ausdruck nicht, die Künstler sprachen von „hingerotzt“. Oftmals entstanden auch Gemeinschaftsarbeiten von Walter und Jiri Georg Dokoupil, oftmals auch als Protest verstanden, gegen die etablierte Kunst. Ihre Kunst, besonders die von Walter waren Metamorphosen, oftmals „deformierte menschliche Figuren, seine „Malerei ist spontan, eine Reduzierung auf das Wesentliche. Wiederkehrende Themen sind hilflose nackte Menschen, Traum- und Wunschvorstellungen.“
Die Kunst der „Mühlheimer Freiheit“ und ein Galerist und der Markt auf der Suche nach Neuem; die „Jungen Wilden“, Shooting-Stars, der neueste Hype auf dem Kunstmarkt. Es folgten Lehraufträge an der Kunstakademie in Düsseldorf, später eine ordentliche Professur in Braunschweig. Walter blieb ein Künstler und wurde Lehrender, Studierende profitierten von seinem Wissen und künstlerischer Expertise. Sebastian C. Strenger schreibt in einem Nachruf: „Sein Einfluss auf die Kunstwelt war groß, Generationen von Studierenden der Kunst wie beispielsweise Gerd und Uwe Tobia hat er geprägt. Er war ein Mensch, manchmal nah am Wasser gebaut, immer auch ruhig und schweigsam.“ Ja dies war eine Seite von Walter, es gab in den jungen Jahren nicht immer einen Schweigsamen, auch einen lauten, ausladenden, einen Raumeinnehmenden. Über lange Jahre war der Kunstmarkt still um ihn geworden. Walters Kunst erlebte auf der letzten Kunstmesse in Köln eine Renaissance. Auch eine Ausstellung in Kerpen zeigte seine neuesten Werke.
Zwei Fotoarbeiten aus Walter Dahns Jugendzeit sind im Besitz des Heimatbundes. Sie greifen die Veränderung des Geländes zwischen Pastorswall und Dammstraße auf. Der Eingriff in die Natur, konkret die Umwandlung von Gärten, eine Veränderung von Lebenswelten St. Töniser Bürger, galt damals seiner Aufmerksamkeit. Die Natur bewahren und schützen, dieses Thema hat Walter keine Ruhe gelassen.
Walters Familie fordert auf: „Wer in Walters Sinne etwas spenden möchte, bitte unter dem Stichwort „Walter Dahn“ an Extinction Rebellion (XR)